Darmstaedter Echo Mai 2026 - Darmstadt
Knapp 100.000 Euro für die Erdbebenregion in der Türkei

Darmstadt. Wenn es für den guten Zweck ist, steht das Lions Club-Mitglied Ali Güler auch mal im Rewe-Markt in Egelsbach und verkauft Kuchen. Das war unmittelbar nach dem 6. Februar 2023, nach dem großen Erdbeben im Südosten der Türkei und Nordsyrien. Die ganze Region lag in Schutt und Asche.
Der Architekt und Planer Ali Güler wollte etwas tun, wollte helfen, ganz im Sinne seiner Clubfreunde und ihrer Maxime: „Füreinander da sein, wenn es am meisten zählt. Über Ländergrenzen hinweg, mit offenen Herzen und tatkräftigen Händen – weil Menschlichkeit keine Grenzen kennt“ – nachzulesen auf der Homepage der Lions. Ihr „Lions Club Darmstadt“ (LCD) war in der südhessischen Stadt der erste.
Beim Kuchenverkauf für 3.000 Euro blieb es nicht
Der Kuchenverkauf brachte damals 3000 Euro. Dabei sollte es nicht bleiben. Zusammen mit dem Lions Club Rhede-Euregio, dem Rotary Club Borken und den Soroptimisten Borken und vielen weiteren Spendern wurden insgesamt 125.000 Euro gesammelt. 85.000 Euro kamen dem Bau eines Kindergartens in der Region Hatay zugute, aber es gab schon im Frühjahr 2023 erste Soforthilfen für die krisenerschütterte Region mit mehr als 62.000 Toten und mehr als 100.000 Verletzten.
Güler ist in der Region Darmstadt geboren und aufgewachsen, in Darmstadt hat er Architektur studiert, hier tritt er auch als DJ auf. Große Teile seiner Familie leben in der Erdbebenregion. So wurde er zum Initiator und Hauptorganisator des Spendenprojekts, als er 2024/2025 den Vorsitz des LCD übernahm. Große Überzeugungsarbeit musste er im Club nicht leisten. Die Mitglieder waren einstimmig bereit, die Sache zu unterstützen.
Gleich nach dem Beben reiste Güler mit den ersten 20.000 Euro des Lions Club Darmstadt in die Türkei, um vor Ort Zelte und Notunterkünfte, Lebensmittel, Wasser sowie erste Schul- und Hilfsmaterialien für die Region Hatay zu besorgen. „So fielen sämtliche Transportkosten weg. Zusätzlich konnten wir die dort angesiedelten Unternehmen direkt unterstützen“, sagt Güler.
Ali Güler vom Lions-Club Darmstadt ist die treibende Kraft beim Sammeln von Spenden für den Wiederaufbau der Infrastruktur in der zerstörten Erdbebenregion in der Türkei.
Auch die Reisekosten wurden nicht von den Spendengeldern bezahlt. Sämtliche Spenden sollten eins zu eins dort ankommen sollten, wo sie gebraucht werden. Das war Ali Güler und seinen Lions-Kollegen wichtig.
Partner hat schon einige Kitas in Krisenregionen gebaut
Ali Güler schaute sich die Zelte an, bevor er sie orderte. Und fragte die Verantwortlichen in der Katastrophenregion, wie er am besten helfen könne. Auf Angebote, die Lions-Spenden Dritten zu überlassen, die die Gelder dann weiterverteilen wollten, ließ er sich nicht ein. Aber mit Ali Koban und dem ISS Netzwerk (Interkultureller Sozialer Service) Köln fand er einen idealen Partner.
Das ISS hat schon einige internationale Kindergärten in Krisenregionen gebaut. Über Koban kam Güler auf Defne, wo eine solche Einrichtung dringend nötig war. Sie wurde das Leuchtturm-, das Herzens- und das umfangreichste Projekt des LCD.
Ein Ort der Bildung und Stabilität
Erneut gingen die Darmstädter voran und starteten mit 15.000 Euro. Über den Lionsfreund Konrad Mußenbrock konnten drei, außerdem über das Lions-Netzwerk zwei weitere Serviceclubs gewonnen werden, die gemeinsam schließlich auf die stattlichen 85.000 Euro kamen.
Seit dem Kindertag in der Türkei, dem 23. April 2026, gibt es mit der Eröffnung des Kindergartens endlich wieder einen Ort der Bildung und Stabilität, einen geschützten Raum, der in den Alltag der Kinder von Defne ein Stück Normalität zurückbringt – ein Projekt, das nachhaltig Hilfe leistet.